Ein Jahr später…

ja, inzwischen ist ein Jahr vergangen, und wieder war ich auf Wegen in Spanien.

Und darüber gibt es einen neuen Blog. Mit einer Menge Bildern.

Er heißt: „Trinken aus dem Bach am Weg“

und führt Euch ein Stück auf dem GR 11 über die Pyrenäen, anschließend auf den Camino Aragonés und schließlich quer durch die Sierra de la Demanda nach Santo Domingo de Silos.

Da geht´s hin:

https://gertrudisaltendorferblog.wordpress.com/

Bon Chemin – Buen Camino!

 

 

UND NOCH EIN JAHR SPÄTER…

im Juni 2017, war ich auf der Ruta de la Lana, von Cuenca nach Burgos.

Hier gibt´s darüber zu lesen:  https://gertrudisaltendorferrutadelalana.wordpress.com/

Advertisements

Ausklang in Galicia

Mein Pilgerweg war zu Ende. Aber doch noch nicht ganz!

Am nächsten Morgen, am Busbahnhof, stellte sich heraus, dass dieser Bus nicht, wie ich angenommen hatte, über Lugo, sondern über Leon fuhr, und ich entschied mich kurzerhand, eine Fahrkarte nach Villafranca del Bierzo zu kaufen.
Dort kam ich dann gegen Mittag an. Villafranca ist mein Lieblingsstädchen am Camino Frances, aus verschiedenen Gründen, und einer der Gründe ist, dass ich da einen alten Freund habe, Jesus Jato. Wir kennen uns nun seit siebenundzwanzig Jahren – damals betrieb er schon seine Herberge, damals war das eine Art Gewächshaus aus Plastikplanen und anderen Materialien gewesen, etwas chaotisch, aber sympathisch. Nachdem das alles abgebrannt war, hatte er mithilfe einiger Gönner und vieler Pilger und Freunde die jetzige Herberge errichtet, genannt „Ave Fenix“, wiedererstanden aus der Asche wie der Vogel Phönix.
Ich machte mich also gleich zum Ave Fenix auf, und da stand Jesus mit ein paar Anderen vor der Tür, gerade dabei, ins Auto zu steigen. „Gertrudis! Kommst du, nach deinen Besitzungen zu schauen? Heute kannst du nicht hierbleiben, wir haben geschlossen. Wir müssen Holz für den Winter machen und fahren gleich los. Steig ein, ich bring dich nach O Cebreiro hoch!“ Na, das war ja mal wieder perfekt! Nicht einmal Zeit für die sonst üblichen ausgiebigen „Abrazos“ blieb, ich quetschte mich zu den Motorsägen und den Männern, die am Fuß des Cebreiro ausstiegen, während ich exklusiv nach oben gefahren wurde. Jato versprach, mich an einem der nächsten Tage in O Balsa zu besuchen. Weiterlesen

Eiben.Felsen.Apfelbäume. 13. Tag: Pola de Siero – Oviedo

Dienstag, 25. August

Heute werde ich ankommen. In Oviedo. Oviedo ist nicht Santiago, aber ich werde mich verabschieden müssen von dem geliebten „Pilgergefühl“, das gerade erst so richtig ausgebrochen ist, werde die Anderen weiterziehen lassen auf den Camino Primitivo, den ich auch so gerne kennenlernen würde, wozu ich aber diesmal nicht die Freiheit habe. Sicher, nach Hause muss ich noch nicht, ich werde noch für ein paar Tage nach Galizien fahren, aber das, was mich dort erwartet, schmeckt schon wieder nach Familienpflichten. Wird mit dem Haus, um das ich mich kümmern muss, weil es sonst niemand tut, alles in Ordnung sein…

Halt, noch ist es nicht so weit.

Noch bin ich Pilgerin.
Ein neuer Sommertag! Weiterlesen

Eiben.Felsen.Apfelbäume. 11. Tag: Miyares – Valdedios

Sonntag, 23. August Miyares – Valdedios

Als ich die Augen aufschlage, ist es neun Uhr! Ich habe geschlafen wie im Parador, warm und trocken, und bin kein einziges Mal aufgewacht. „Draußen“ regnet es nicht mehr, aber alles ist in dicken Nebel gehüllt, und in dieses feuchtweiße Niemandsland muss ich jetzt hinaus. Die Magdalenas von den Schwestern müssen als Frühstück vorerst reichen, in Miyares werde ich sicher den Kaffee bekommen, auf den ich mich schon freue. Die Stacheldrahtzäune umgehe ich weiträumig und gelange wieder zu dem Dorf, in dem ich gestern mit den beiden Frauen gesprochen habe. Hätte ich eine vernünftige Karte, wüsste ich sogar, dass dieses Dorf „La Estrada“ heißt und dass ich in der „Ermita de la Magdalena“ geschlafen habe… Weiterlesen

Eiben.Felsen.Apfelbäume. 10. Tag: Covadonga – Kapelle vor Miyares

Samstag, 22. August

Dass die Priester Wurst und Kuchen bekommen, kann mir nicht entgehen.
Denn mein Frühstücksplatz ist so gedeckt, dass ich direkten Ausblick auf die sechs geistlichen Herren habe, die am Tisch vor mir tafeln und sich dabei recht leger geben. Einer von ihnen trägt weder Schwarzrock noch römischen Kragen, es ist der Tenor von gestern Nachmittag, wohl also kein Priester.
Vor mir steht ein Körbchen mit Brotscheiben und Marmelade, zwei Magdalenas und zwei Müsliriegel. Ich verstehe, dass hier jeder gemäß seinen Bedürfnissen versorgt wird: die plastikverpackten süßen Teilchen eignen sich gut als kleiner Imbiss für unterwegs, und so landen sie gleich in meiner Tasche.
Als mir die  junge Schwester den Kaffee hinstellt, gelingt es mir, ihr eine Frage zu stellen. „Welchem Orden gehört ihr an?“ Augenblicklich strafft sich die zarte Gestalt, und sie erklärt mit Stolz in der Stimme: „Somos las Hermanas Hospitalarias del Sagrado Corazón de Jesús.“ Sie lächelt und schwirrt in Richtung Küche davon.

Draußen ist alles in einen zähen Nebel gehüllt. An dem heiligen Brünnlein neben der heiligen Höhle fülle ich meine Wasserflasche und marschiere los, einen geteerten Fußweg in Richtung Cangas de Onis. Weiterlesen

Eiben.Felsen.Apfelbäume. 9. Tag: Lagos de Covadonga – Covadonga

Freitag, 21. August

Nachts sind die Geräusche eindringlicher.
Diese Nacht war gefüllt mit Klängen.
Das Klingen der Kuhglocken schwirrte in vielfachem Echo in dem Talkessel hin und her und erfüllte ihn mit einem orgelartigen Ton, dessen Klangfarbe sich ständig veränderte.
Irgendwo begann ein Hund zu bellen, weitere fielen ein und das Bellen, zurückgeworfen von den Felswänden, vermischte sich zu einem Geheul, als hätte sich ein Rudel Wölfe im Berg versammelt.
Hin und wieder kreischte ein Vogel auf.
Als ich nach Mitternacht erwachte, weil mich fror, staunte ich über die unzähligen Sterne. Wie eine Handvoll glitzernder Mehlstaub in den Himmel geworfen. Die Milchstraße, die ich von zu Hause nur als einen schwachen, hellen Streifen kenne, zog sich als satt leuchtendes Band in nord-südlicher Richtung direkt über mir hin, scheinbar zum Greifen nahe, und die Sternenkonstellationen, zu Hause übersichtlich am Firmament verteilt, waren hier verwirrend und unbekannt.
Ich wickelte die Kuscheljacke um den Leib und fror nun nicht mehr.
Als ich wieder erwachte, zu früher, noch dunkler Morgenstunde, hatte sich die Milchstraße um etwa 60 Grad gedreht.

Dann weckt mich der Tag, und als die Sonne die ersten Strahlen über den Berg schickt, stehe ich auf.
Allzu gern hätte ich doch noch ein heimliches Morgenbad im See genommen. Aber unten am Ufer sind schon wieder erste Wanderer unterwegs. So packe ich meine Sachen, die alle trocken geblieben sind, und mache mich auf zu der Bar, in der Hoffnung, dass es dort warmen Kaffee geben könnte. Und den gibt es, sogar schon früh um Acht!

Von der Anhöhe zwischen den beiden Seen aus blicke ich hinunter auf ein Meer aus weißer Wolkenwatte. Weiterlesen